Neurological soft signs bei schizophrenen Patienten
Schizophrene Patienten zeigen häufig sensorische und motorische Auffälligkeiten, die in der Literatur als „neurological soft signs“ beschrieben werden. Dabei handelt es sich um Hinweise auf eine zentrale neurologische Verarbeitungsstörungen, die aber diagnostisch nicht eindeutig zugeordnet werden können. Schon die Verhaltensbeobachtung im Alltag erbringt vielfältige Hinweise auf solche sensorischen und motorischen Schwierigkeiten bei schizophrenen Patienten: Beispielsweise ist der Gang schlurfend, die Füße werden nicht vom Boden gehoben, die Körperhaltung ist schlaff oder durch eine typische S-Kurve mit hängenden Schultern und Hohlkreuz gekennzeichnet, Berührungen werden vermieden, die Patienten möchten nicht einmal zur Begrüßung die Hand reichen, motorisch wirken sie ungeschickt und tollpatschig, teilweise verletzen sie sich, ohne es selbst zu bemerken.
Neurological soft signs werden mit standardisierten Skalen erhoben, z.B. der Heidelberger NSS-Skala. Es zeigt sich, dass schizophrene Patienten mehr neurological soft signs zeigen als andere psychiatrische Patienten und als Personen aus der Allgemeinbevölkerung. Diese neurological soft signs nehmen während der akut psychotischen Episode zu, sie bestehen jedoch offenbar auch außerhalb dieser Episode. In High-risk-Studien zeigte sich, dass sich bei den Kindern von schizophrenen Eltern mehr neurological soft signs fanden, die später eine schizophrene Störung entwickelten. Es ist daher anzunehmen, dass auch die neurological soft signs ein Vulnerabilitätsfaktor für schizophrene Störungen sind.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Skalen zur Erfassung der neurological soft signs nahezu dieselben Aufgaben enthalten wie der Southern California Sensory Integration Test, mit dem A. J. Ayres Störungen der sensorischen Integration bei Kindern ermittelte. Mit anderen Worten: es handelt sich um die gleichen sensorischen und motorischen Schwierigkeiten, die in der Schizophrenieforschung nur unter anderem Namen untersucht werden.